MicroStrategy (jetzt Strategy) erlebt gerade die wichtigste Phase seit der Entscheidung, Bitcoin als wichtigsten Firmenwert zu nutzen. Die mNAV-Prämie (microstrategischer Nettovermögenswert) des Unternehmens liegt aktuell nur noch bei 1,04x. Damit ist der Bewertungsaufschlag, der bisher für eine starke Entwicklung im Vergleich zum Bitcoin-Kurs gesorgt hat, fast verschwunden.
Dies zeigt einen Wechsel. Die Zukunft von Strategy hängt nun nicht mehr nur vom Bitcoin-Kurs ab. Entscheidend ist jetzt, ob der Kapitalmarkt weiterhin Geld für die immer komplizierter werdende, Bitcoin-zentrierte Finanzstruktur des Unternehmens bereitstellt.
Im Jahr 2023 und Anfang 2024 wurde Strategy oft mit einer Prämie von über 2x, manchmal sogar 2,5x auf den Nettovermögenswert (NAV) gehandelt.
Dank dieser Prämie konnte die Firma Aktien, Wandelanleihen und Vorzugsaktien zu guten Bedingungen ausgeben und das Kapital für weitere Bitcoin-Käufe nutzen. Dadurch bekamen die Aktionäre einen noch stärkeren Bezug zu Bitcoin. Da die Prämie jetzt fast auf Null gesunken ist, funktioniert dieses Prinzip gerade nicht mehr.
Strategy besitzt zurzeit etwa 673.783 BTC. Diese sind laut letzter Meldung mehr als 63 Mrd. USD wert. Zusätzlich gibt es rund 2,25 Mrd. USD in bar. Trotzdem zeigen die Marktkapitalisierungen Folgendes:
Dieses Missverhältnis zwischen Bitcoin-Wert und Marktkapitalisierung sorgt für Diskussionen. Manche meinen, die Aktie sei zu günstig. Andere denken, der Markt berücksichtigt jetzt erst die strukturellen Risiken des Modells. Einige Investoren sehen hierin eine Chance.
Adam Livingston nennt die 1,03x mNAV „den besten Einstiegszeitpunkt“, den er bisher gesehen hat. Er meint, dass eine kleine Prämie von 3 Prozent trotzdem noch rund 26 Prozent mehr Bitcoin-Bezug biete.
Seiner Meinung nach könnte die laufende Ausgabe von STRC-Vorzugsaktien bald einen weiteren großen Bitcoin-Kauf finanzieren. So kann Vorstandschef Michael Saylor den Bitcoin-Anteil pro Aktie erhöhen, ohne extreme Prämien zu benötigen.
Diese Hoffnung beruht darauf, dass Strategy nicht mehr als Wachstumsaktie zu sehen ist, sondern zunehmend als Ertragsbringer mit Fokus auf Bitcoin-Anhäufung auftritt.
Die STRC Variable Rate Series A Perpetual Stretch Preferred Stock bietet derzeit elf Prozent Dividende im Jahr. Die nächste Auszahlung sollte diesen Monat etwa 0,91 USD pro Aktie betragen.
Befürworter sagen, dass Strategy damit fast wie ein Bitcoin-besicherter Anleihenfonds wirkt. Joe Burnett, Direktor für Bitcoin-Strategie bei Semler Scientific, meint sogar, dass das Unternehmen seine digitalen Dividenden viele Jahre auszahlen könnte – selbst, wenn der Bitcoin-Kurs gleich bleibt. Burnett begründet dies mit der langfristigen Abwertung von Fiatwährungen.
In diesem Bild ist die Zeit – nicht die kurzfristige Kursentwicklung – der wichtigste Faktor.
Dieser Fokus auf Renditen kommt gerade, als die Zahlen von Strategy neue Spannungen zeigen. Im Formular 8-K vom 5. Januar 2026 gab das Unternehmen für das vierte Quartal 2025 einen nicht realisierten Verlust auf digitale Vermögenswerte von 17,44 Mrd. USD an, und für das ganze Jahr einen Verlust von 5,40 Mrd. USD.
Zwar beruhen diese Verluste auf der Buchführung und stehen im Zusammenhang mit Bitcoins Kurseinbruch im vierten Quartal, dennoch haben sie echte Folgen. Nach der heutigen Bilanzierungspflicht gelten digitale Vermögenswerte als unbegrenzt nutzbare, immaterielle Güter.
So müssen Unternehmen Wertverluste sofort buchen, dürfen gestiegene Werte später aber nicht wieder hoch ansetzen. Kritiker meinen, diese Wirkung ist jetzt besonders wichtig, wo es keine Prämie mehr gibt.
Analyst Novacula Occami sagt, dass Strategy den Bitcoin-Kurs in den letzten Monaten, im Halbjahres- und im Einjahresvergleich nicht schlagen konnte. Damit ist die Annahme gebrochen, dass MSTR besser läuft als ein direkter BTC-Investment.
Seiner Analyse nach hat der Absturz der mNAV-Prämie seit Mitte 2025 es Strategy unmöglich gemacht, günstige Wandelanleihen oder teure Vorzugsaktien auszugeben. Nun sind die Stammaktionäre der Verwässerung ausgesetzt und haben keinen Vorteil mehr.
Andere warnen, dass neue Aktienausgaben ohne bedeutende Prämie den Wert der Aktionäre schmälern. Dazu zählt Brennan Smithson, der meint, bei zu wenig Interesse an Vorzugsaktien könnte sich Strategy gezwungen sehen, durch Verwässerung Dividenden und Bitcoin-Käufe zu finanzieren.
Diese Diskussion spiegelt die zentrale Frage für Strategy im Jahr 2026 wider: Kann Bitcoin-zentrierte Unternehmensfinanzierung auch ohne spekulative Prämien bestehen?
Liegt die mNAV nahe 1x, wird jede Kapitalerhöhung genau beobachtet. Neue Aktien oder Vorzugsaktien steigern nicht mehr automatisch den Bitcoin-Anteil pro Aktie. Im Gegenteil: Ist die Nachfrage zu schwach, gilt das als Zeichen für Schwäche.
Der bullische Fall hängt von Geduld ab. Befürworter glauben, dass ein mäßiger Anstieg des Bitcoin-Kurses, eine anhaltende Entwertung des US-Dollars sowie mögliche Zinssenkungen das Vertrauen in die Renditemodell von Strategy nach und nach wieder herstellen könnten.
Der bearishe Fall warnt: Ohne neue Nachfrage an den Kapitalmärkten könnte dieses Experiment ins Stocken geraten. Ein solches Ergebnis könnte dazu führen, dass Strategy eher eine schwankende und leistungsschwache Alternative wird als eine bessere Option zu direktem Bitcoin oder ETFs.
Diese Sichtweisen machen Strategy zu einem aktuellen Stresstest dafür, ob die Kapitalmärkte weiterhin gehebelte Bitcoin-Investitionen finanzieren, wenn die große Aufmerksamkeit nachlässt und die Prämien nicht mehr da sind.
Der Beitrag Werden die Kapitalmärkte Bitcoin-Experiment von Strategy weiter finanzieren – auch ohne Prämienpolster? erschien zuerst auf BeInCrypto - Krypto News.

